Texte

In meinen Arbeiten setze ich mich vorallem mit Natur und Mensch auseinander sowie deren Beziehung zueinander. In meinen Druckgrafiken und Malereien steht dabei die Schönheit der Natur und die Einheit von Mensch und Natur im Vordergrund. In meiner neueren Werkreihe an Objekten, Skulptur und Installationen geht es zwar auch um die Schönheit der Natur, aber genauso um deren Wahrnehmung durch die Menschen und ihre Fragilität.

Die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Figur im Kontext zu divergierenden Räumen und ihre Beziehung zum Betrachter fasziniert mich. Dies untersuche ich in meinen Arbeiten und versuche eine breite Spannweite unterschiedlicher Blickwinkel auf das Sujet zu ermöglichen. Egal ob reine Landschaft oder mit Figur, der Betrachter sieht in eine eigene Welt, er erhält Einblicke in intime Momente. Jedoch ist er lediglich ein heimlicher Beobachter, ohne Möglichkeit einzugreifen.



Text von Julia Ritterskamp Ausstellung 'flow', 2020

Text von Julia Ritterskamp über Kathrin Edwards anlässlich der Ausstellung „flow“ im Projektraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf, 2020.

Unmittelbar und als Erstes erleben wir die Übersetzung des englischen Wortes „flow“ als „fließen, strömen“ hier visuell in den gezeigten Arbeiten von Kathrin Edwards und Georg Treitz. Bei Edwards im Motiv der Welle, bei Treitz in den ineinanderfließenden Farben seiner Hinterglasmalerei.
In zweiter Instanz könnte man jedoch auch mit der Flow-Theorie des Glücksforschers Mihály Csíkszentmihályi weiterkommen. Demgemäß bezeichnet „Flow“ das als beglückend erlebte Gefühl eines Zustandes völliger Versenkung, das restlose Aufgehen in einer Tätigkeit. Flow wird ähnlich erlebt wie eine Trance. Diesen Zustand kennen sicherlich die meisten Künstler, sowie auch Chirurgen, Extremsportler, Bastler usw. Bei Kathrin Edwards und Georg Treitz wird allerdings schon durch die Betrachtung der reinen Arbeitsweisen klar: ohne Flow geht es nicht!
Wie sieht das im Einzelnen aus? Sowohl die Grafik als auch die mit einem 3-D-Stift geschaffenen Objekte von Kathrin Edwards zeigen eine außergewöhnliche Feinheit, Perfektion und Sensibilität. Durch das Ergebnis erlebt man nachvollziehbar die Versenkung in eine immer weiterführende Verfeinerung künstlerischer Technik. Dies braucht Zeit, Geduld und repetitive Wiederholung einzelner Handlungen. Zwischen dem Machen und dem Loslassen des Resultats stellt sich der Flow ein.
Georg Treitz arbeitet hingegen einem Alchimisten gleich: Farben unterschiedlicher chemischer Zusammensetzungen werden hinter Glas ineinanderfließen lassen und aufgetragen. Der Künstler beobachtet die Verdrängung oder Verschmelzung und greift ein – oder lässt geschehen. Die vollständige Konzentration auf die Reaktion der Farben ist zweifelsohne die perfekte Voraussetzung für den Flow.
Die dritte Ebene, auf der sich hier ein Flow einstellt, ist der Betrachter selbst. Sei es bei der Versenkung in die sich fast unmerklich ändernde Lichtsituation – und somit auch der Farbigkeit bei den aktuellen Arbeiten von Georg Treitz. Oder aber beim Verfolgen feinster Linien und Farbnuancen in den Farbradierungen beziehungsweise der sich ändernden Schatten der „Fireflies“ von Kathrin Edwards.
Go with the flow!

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Text von Julia Ritterskamp Katalog 'flow', 2020

Text von Julia Ritterskamp über Kathrin Edwards anlässlich des Kataloges zur Ausstellung „flow“ im Projektraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf, 2020.

Fokussierung ermöglicht erst das Erreichen von Meisterschaft. Fokussierung finden wir im Werk von Kathrin Edwards gleich auf zwei Ebenen: Zunächst hat sie sich der Graphik so gänzlich verschrieben wie nur ganz wenige ihrer Künstler-Generation. Die Leidenschaft für unterschiedliche graphische Techniken, die Beherrschung von Maschinen, Materialien und Duktus gleichermaßen ist deutlich in Edwards’ künstlerischen Schaffen der letzten Jahre erkennbar.
Die zweite Fokussierung betrifft die Motivwahl der Künstlerin: Sie setzt sich intensiv mit dem Thema Natur auseinander (zu der der Mensch ebenfalls zählt). Die Schönheit der Natur in ihrer ganzen Spanne von der Gewalt riesiger Wellen bis hin zur Fragilität der zartesten Blume dient Kathrin Edwards als Sujet. Und das reicht definitiv aus, um durch Farbradierungen, Lithographien, Aquarelle oder mit 3-D-Stift in den Raum gezeichneten Objekten immer wieder neue Blickwinkel ein und desselben Themas zu erschaffen.
In puncto Abstraktion oder Gegenständlichkeit setzt Kathrin Edwards sich hingegen keinerlei Grenzen: vom detailliert ausgearbeiteten weiblichen Akt bis hin zu einer Serie abstrakter Farb-Lithographien mit dem Thema „Licht“ finden sich die unterschiedlichsten Formausgestaltungen.
So divers die künstlerischen Ergebnisse aus dem Œuvre von Kathrin Edwards auf den ersten Blick erscheinen, sie alle einen die Liebe zu Schönheit, Natur, Harmonie und technischer Meisterschaft. Ob so von der Künstlerin intendiert oder nur vom Betrachter interpretiert: Edwards‘ Arbeiten geben uns immer wieder die Möglichkeit zu einer kontemplativen Pause in einer hektischen Zeit.

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Text von Jasmin Hagedorn und Anna-Lena Rößner, 2015

Text von Jasmin Hagedorn und Anna-Lena Rößner über Kathrin Edwards anlässlich der Ausstellung „Fetisch oder Fetischismus“ im Haus der Universität, Düsseldorf, 2015.

Die 23jährige Kathrin Edwards setzt sich thematisch immer wieder mit dem weiblichen Körper und der Ästhetik der Frau im Verhältnis zu divergierenden Räumen auseinander.
Edwards bewegt sich künstlerisch vornehmlich in der Gattung Grafik und setzt ihre Bildsprache in variierenden Drucktechniken sowie Zeichnung, Aquarell- und Pastellmalerei um. Hierbei nutzt sie spielerisch den Umgang mit unterschiedlichem Ambiente und setzt ihre Protagonistinnen in Bezug zu natürlichen und künstlichen Räumen – ohne konkrete Verortung. Durch den stetig wechselnden Kontext mit der femininen Aktfigur ermöglicht sie dem Betrachter eine breite Spannweite von unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Sujet. Bei ihrer künstlerischen Affinität zum weiblichen Akt bedient sich Kathrin Edwards diverser Typisierungen von Frauen. In ihren druckgrafischen Bildwelten wechseln sich verletzlich wirkende, zusammengekauerte weibliche Wesen ab mit sinnlich-lasziv räkelnden Körpern. Karge, angeschnittene Räume konkurrieren gleichermaßen mit Landschaften, die mit Flora und Fauna bespielt sind – in teilweise phallusartiger Linienführung.
Durch den stetigen Perspektivenwechsel bei gleich bleibendem Genre eröffnet sich dem Betrachter die Möglichkeit, eine tiefere Bindung und Auseinandersetzung mit dem Motiv der Frau einzugehen. Diese verweigert sich jedoch dem direkten Dialog und der gleichberechtigten Beziehung durch Mimik und Gestik. Bedingt durch den einseitigen Versuch der Kontaktaufnahme verbleibt die dargestellte Figur in ihrer eigenen Welt, unangetastet und rein. Dennoch wird der Betrachter von einer sinnlichen Erfahrung erfasst, sodass er selbst von Kathrin Edwards‘ thematischer Neigung zum weiblichen Akt mitgerissen wird.
Die Position der Betrachtung in der Rolle eines Voyeurs lässt es zu, unseren „Fetisch“ am weiblichen Körper heimlich auszuleben.
In der Motivwahl erinnert die Künstlerin an Paul Cézannes‘ und Henri Matisse‘ „Badende“, aber auch an die Formensprache der Akte von Auguste Rodin als Zeichnungen und Lavuren. Ebenso erinnert ihre Technik an die Grafiken von Paula Rego. Somit knüpft Kathrin Edwards direkt an kunstgeschichtliche Traditionen und Positionen an.

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