Texte

In meinen Arbeiten setze ich mich vorallem mit Natur und Mensch auseinander sowie deren Beziehung zueinander. In meinen Druckgrafiken und Malereien steht dabei die Schönheit der Natur und die Einheit von Mensch und Natur im Vordergrund. In meiner neueren Werkreihe an Objekten, Skulptur und Installationen geht es zwar auch um die Schönheit der Natur, aber genauso um deren Wahrnehmung durch die Menschen und ihre Fragilität.

Die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Figur im Kontext zu divergierenden Räumen und ihre Beziehung zum Betrachter fasziniert mich. Dies untersuche ich in meinen Arbeiten und versuche eine breite Spannweite unterschiedlicher Blickwinkel auf das Sujet zu ermöglichen. Egal ob reine Landschaft oder mit Figur, der Betrachter sieht in eine eigene Welt, er erhält Einblicke in intime Momente. Jedoch ist er lediglich ein heimlicher Beobachter, ohne Möglichkeit einzugreifen.

Text von Brigitte Splettstößer zu Ausstellung 2021

Text von Brigitte Splettstößer anlässlich der Ausstellung „Mensch und Umgebung: Kathrin Edwards & Lukas Weiß“ in der Galerie Splettstößer, Kaarst, 2021.

(Bildangaben beziehen sich auf die Webseite von Galerie Splettstößer: www.galerie-splettstoesser.de )

Im Zentrum dieser Ausstellung stehen die grafischen Arbeiten der Künstlerin Kathrin Edwards und des Künstlers Lukas Weiß, Tiefdruckarbeiten von Kathrin Edwards und Hochdruckarbeiten von Lukas Weiß. Dabei setzen sich beide mit der figürlichen bzw. gegenständlichen Darstellungsweise auseinander. Neben den grafischen Arbeiten zeigt Katrin Edwards Prägedrucke und Objekte und Lukas Weiß Zeichnungen und Aquarelle.
Es mag erstaunen, dass in der heutigen Zeit mit ihren geradezu unendlichen Möglichkeiten digitaler Bilderzeugung und Vervielfältigung, die Druckgrafik wieder vermehrt an Attraktivität gewonnen hat. Junge Künstler und Künstlerinnen experimentieren auf ganz unterschiedliche Weise freudig mit der traditionsreichen Kunst, wobei sie sich der verschiedensten Techniken und Materialien bedienen, diese häufig phantasievoll kombinieren.
Es ist die Kombination aus handwerklicher Herausforderung und großer Vielfalt der Möglichkeiten, die die jungen Künstler fasziniert. Und darüber hinaus sind Kathrin Edwards und Lukas Weiß fasziniert von der Haptik der Papiere, auf die sie drucken.
Die Bearbeitung des druckenden Materials, sei es Metall, Holz oder Karton stellt für den Künstler bzw. die Künstlerin spezielle Herausforderungen dar in Bezug auf wohlüberlegte und vorausschauende Auswahl von Motiv und Komposition, auf hohe zeichnerische Fähigkeit beim Entwurf und auf Geschicklichkeit, Geduld und Disziplin bei der handwerklichen Bearbeitung des druckenden Materials.
Und jeder Abzug, jede Übertragung auf das Papier erfordert Konzentration und Geschick. Das zu bedruckende Blatt trifft nicht einsehbar auf den Druckstock bzw. die Druckplatte, das Wieder-Abnehmen ist ein spannender, ja magischer Moment, jeder Abzug ist ein Original.

Kathrin Edwards ist 1992 in Bietigheim-Bissingen geboren. Von Jugend an hat sie sich für Grafik interessiert, hatte auch für einige Zeit die Gelegenheit, sich mit Radierung zu beschäftigen.
Sie hat von 2011 bis 2019 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof Udo Dziersk und Prof. Siegfried Anzinger studiert, wurde 2017 zur Meisterschülerin ernannt und machte 2019 den Abschluss mit dem Akademiebrief.
Die Radierung ist ihr bevorzugtes künstlerisches Ausdrucksmittel, wobei sie gerade in der jüngsten Zeit auch mit anderen Techniken gearbeitet hat, wie oben erwähnt. Als inspirierend für ihre Radierungen nennt sie Edward Munch, Max Klinger und Anders Zorn.
Die zentrale Arbeit von Kathrin Edwards in dieser Ausstellung ist die 6teilige in Schwarz, Weiß und Grautönen gehaltene Radierung mit dem Titel „The Path“, Teil ihrer Abschlussarbeit an der Akademie (Fotogalerie Image 15). Die Arbeit ist ein Triptychon, dessen Teile jeweils aus Diptychen bestehen, wobei die Diptychen auch eigene Arbeiten darstellen.
Von links oben tritt eine einzelne unbekleidete Frau aus dem Dunkel auf eine helle Lichtung. Keine weiteren Menschen oder Tiere sind zu sehen. Die Frau blickt von oben auf die Lichtung und – so scheint es – auf die sich bis zum Horizont erstreckende Landschaft in der Arbeit rechts. Ein merkwürdiges Licht – vielleicht Mondlicht – erhellt die Szene. Unheimlich strecken die Bäume ihre blattlosen knorrigen Äste wie dürre Arme dem Betrachter entgegen. Eine unwirkliche, rätselhafte Atmosphäre schwingt in diesem Bild; manches bleibt offen, insbesondere das Woher und Wohin der Frau. Und welcher der Wege mag dem Bild den Titel „The Path“ gegeben haben? Und hängen diese beiden Wege zusammen?
Mit großer Freude an einer detailreichen Wiedergabe von Blättern und Zweigen von Pflanzen und Bäumen, hat Katrin Edwards in Verni mou Technik eine detailreiche Lineatur auf die Radierplatte gebracht. Bei der Verni mou oder Weichgrundätzung wird die Zeichnung mittels Stift und Papier auf eine weiche Masse, die die zu ätzende Platte bedeckt, übertragen. Die malerischen Flächen hat die Künstlerin mit Aquatinta geschaffen, einem Verfahren, bei dem die Platte mit Kolophonium oder Asphalt bestäubt wird, so dass im nachfolgenden Prozess mehrmaligen Abdeckens und Ätzens malerische Flächen mit fließenden Tonabstufungen entstehen.
Merkmale der Romantik finden sich in dieser Arbeit von Kathrin Edwards, wie sie aus der historischen Epoche der Romantik bekannt sind, insbesondere die Hinwendung zur Natur und das Interesse an dem Geheimnisvollen, wobei das Motiv der Nacht eine wichtige Rolle spielt, Nacht als Möglichkeit, der Alltagswelt zu entfliehen, und in eine Welt der Träume, Fantasien und Sehnsüchte abzutauchen.
Mondlicht betont den mystischen Charakter der Nacht. So sehen wir es auf der Arbeit „Longing“ (Image 16 und Einladungskarte), bei der eine unbekleidete, in Rückenansicht dargestellte Frau aus dem dunklen Wald auf eine Lichtung tritt mit einem vom Vollmond beschienenen See.
Wasser ist ein wichtiges Motiv für Kathrin Edwards – in den hier gezeigten Waves (Images 1 – 3 und 19 – 22) als wildes, schäumendes energiegeladenes Element. Um den entsprechenden Pinselschwung radiertechnisch darstellen zu können, bedient sich die Künstlerin einer Absprengtechnik, trägt eine Zuckerlösung mit dem Pinsel auf, die dann im weiteren Verfahren den aufgetragenen Lack im Wasserbad absprengt und so den Pinselschwung auf die Platte bringt.
Ihre künstlerischen Erkundungen im Bereich der Natur spiegeln sich auch wider in den zarten weißen Prägedrucken (Images 11 – 13) und den floralen Objekten, die Kathrin Edwards mit einem 3D Stift sozusagen in den Raum hinein gezeichnet hat. (Images 4 – 7, 9, 10 und 14). Während es Kathrin Edwards in Ihrem künstlerischen Schaffen wesentlich um die Natur geht und um den Menschen in der Natur, finden wir in den Arbeiten von Lukas Weiß vorwiegend urbane Motive.

Lukas Weiß ist 1986 in Berlin geboren. Er hat zunächst an der FH Bielefeld ein Bachelorstudium im Fachbereich Gestaltung absolviert. Zwei Jahre später hat er ein Diplomstudium an der HGB Leipzig, der Hochschule für Grafik und Buchkunst, aufgenommen, in der Fachklasse von Frau Professor Annette Schröter, das er im Februar 2018 mit dem Diplom abgeschlossen hat. Lukas Weiß lebt und arbeitet in Leipzig.
Lukas Weiß hat sich in seiner künstlerischen Entwicklung früh der Grafik zugewandt, insbesondere dem Holzschnitt. Sein Thema ist die Stadt: urbane Strukturen, architektonische Ensembles, Menschen auch, aber oft eher Spuren menschlicher Existenz. Dabei richtet er seinen Blick auf seine Umgebung; ihm ist wichtig, dass das, was er darstellt, einen unmittelbaren Bezug zu ihm selbst hat. In seiner Arbeit greift er auf einen „Pool“ eigener Zeichnungen oder aufgeschriebener Einfälle zurück. Einige Zeichnungen sind ja auch in dieser Ausstellung zu sehen.
Auf seiner größten hier gezeigten Arbeit mit dem Titel „Unter Palmen“ (Image 29) sehen wir in leuchtender Farbigkeit eine Szene am Südkreuz in Berlin. Eine Palme in weißer Farbe steht im Zentrum des Bildes in einem Bottich, dessen Umriss sich fortsetzt in braunen Ringen des Bodenmosaiks. Wandfliesen und Fenster im Hintergrund sind durch gleichförmige Rechtecke strukturiert und gehen in Wandmosaike über. Lukas Weiß setzt sich in dem Bild auseinander mit einer typischen von Kontrast geprägten Bahnhofssituation, wo sich häufig in einer eleganten bzw. exotischen Umgebung merkwürdige Menschen aufhalten, Bedürftige oft oder Obdachlose auch.
In dieser Arbeit hat sich Lukas Weiß zweier Techniken des Materialdrucks bedient, dem Holzdruck und dem Kartondruck. Die mosaikartigen Flächen hat Lukas Weiß mit Stäbchenparkett gedruckt, in einer von ihm entwickelten Technik: Im Hinblick auf sein Motiv sägt er die Parkettstäbchen zurecht und setzt sie geradezu spielerisch puzzleartig aneinander. Das sperrige und widerspenstige Material der Stäbchen erfordert eine Anverwandlung und Abstraktion des Motivs, was Lukas Weiß als inspirierende Herausforderung schätzt und was zu seiner Faszination vom japanischen Farbholzschnitt korrespondiert mit seiner reduzierten Darstellungsweise und der Betonung von Farben und Flächen.
Im nächsten Schritt werden die Stäbchen einzeln oder höchstens in kleinen Gruppen von zwei oder drei Stäbchen aus dem Puzzle herausgenommen, mit der Walze mit Offsetfarbe eingefärbt und in das Puzzle zurückgelegt. Die – deutlich sichtbare – große Zahl der druckenden Einzelteile verleiht den Arbeiten eine mosaikartige Anmutung, eine lebendige, vielfältige Lineatur und eine äußerst variantenreiche Farbgebung. Die farbige Gestaltung einer Fläche ist nicht mehr nur analog und als Kontinuum realisiert, sondern (sozusagen) digital – als Arrangement von separaten Pixeln.
Im Jahr 2019 hat Lukas Weiß insbesondere für die in dieser Technik entstandenen Arbeiten den Förderpreis des Freundeskreises des Museums Reutlingen bekommen, dessen Schwerpunkt der Holzschnitt darstellt.
Im Kartondruckverfahren erscheinen vor dem „gepixelten“ Hintergrund Menschen, in flächiger Gestaltung mit Aquarellfarben gedruckt, so dass sie mehr oder weniger durchsichtig erscheinen, die Hintergrundstruktur sichtbar lassen. Im Vordergrund zieht eine Person in einem dunklen „Hoody“, die auf ein hell leuchtendes Handy schaut, unmittelbar den Blick auf sich. Die Figuren um die Palme herum erscheinen flüchtig, ja fast unwirklich, wie nur im Vorbeigehen erfasst.
Während seines halbjährigen Werkstattstipendiums in Plettenberg im vergangenen Jahr hat Lukas Weiß zahlreiche Erkundungen seiner neuen Umgebung unternommen und Motive für neue Arbeiten gesammelt. So hat er einige Szenen in einem Schrebergartengelände im Kartondruck festgehalten (Images 26 und 27), einen Mann etwa, der schwarz gekleidet wie ein Artist mit Keulen jongliert oder einen zerbrochenen kopflosen Gartenzwerg, an dessen oberem abgebrochenen Ende eine Schnecke kriecht. Lukas Weiß ist nicht nur ein guter, sondern auch ein humorvoller Betrachter eher unbedeutend erscheinender Szenen des Alltags in seiner Umgebung, denen er in seiner Kunst Dauer und Bedeutung verleiht.
So auch in der zweiten großen Arbeit, einem Diptychon, in dem er zwei Menschengruppen darstellt, die nach Ende des Lockdowns auf einer Wiese an einer Talsperre lagern (Image 24). Gedruckt ist die Arbeit auf einem schwarzen Hintergrund mit weiß eingefärbtem Karton, aus dem jede einzelne der Linien wie bei einem Scherenschnitt herausgeschnitten ist, so dass eine schwarze Lineatur auf der weißen Fläche erscheint.
„Mensch und Umgebung“ lautet der Titel der Ausstellung, und diesem Thema gilt ein wesentliches Interesse der beiden Ausstellenden, der Künstlerin Kathrin Edwards und des Künstlers Lukas Weiß, ganz unterschiedlich empfunden, reflektiert und künstlerisch umgesetzt, aber von beiden mit großer Schaffensfreude, mit großer Kompetenz und großem Engagement insbesondere für die Druckgrafik ausgeführt.

© Brigitte Splettstößer

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Text von Julia Ritterskamp Ausstellung 'flow', 2020

Text von Julia Ritterskamp über Kathrin Edwards und Georg Treitz anlässlich der Ausstellung „flow“ im Projektraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf, 2020.

Unmittelbar und als Erstes erleben wir die Übersetzung des englischen Wortes „flow“ als „fließen, strömen“ hier visuell in den gezeigten Arbeiten von Kathrin Edwards und Georg Treitz. Bei Edwards im Motiv der Welle, bei Treitz in den ineinanderfließenden Farben seiner Hinterglasmalerei.
In zweiter Instanz könnte man jedoch auch mit der Flow-Theorie des Glücksforschers Mihály Csíkszentmihályi weiterkommen. Demgemäß bezeichnet „Flow“ das als beglückend erlebte Gefühl eines Zustandes völliger Versenkung, das restlose Aufgehen in einer Tätigkeit. Flow wird ähnlich erlebt wie eine Trance. Diesen Zustand kennen sicherlich die meisten Künstler, sowie auch Chirurgen, Extremsportler, Bastler usw. Bei Kathrin Edwards und Georg Treitz wird allerdings schon durch die Betrachtung der reinen Arbeitsweisen klar: ohne Flow geht es nicht!
Wie sieht das im Einzelnen aus? Sowohl die Grafik als auch die mit einem 3-D-Stift geschaffenen Objekte von Kathrin Edwards zeigen eine außergewöhnliche Feinheit, Perfektion und Sensibilität. Durch das Ergebnis erlebt man nachvollziehbar die Versenkung in eine immer weiterführende Verfeinerung künstlerischer Technik. Dies braucht Zeit, Geduld und repetitive Wiederholung einzelner Handlungen. Zwischen dem Machen und dem Loslassen des Resultats stellt sich der Flow ein.
Georg Treitz arbeitet hingegen einem Alchimisten gleich: Farben unterschiedlicher chemischer Zusammensetzungen werden hinter Glas ineinanderfließen lassen und aufgetragen. Der Künstler beobachtet die Verdrängung oder Verschmelzung und greift ein – oder lässt geschehen. Die vollständige Konzentration auf die Reaktion der Farben ist zweifelsohne die perfekte Voraussetzung für den Flow.
Die dritte Ebene, auf der sich hier ein Flow einstellt, ist der Betrachter selbst. Sei es bei der Versenkung in die sich fast unmerklich ändernde Lichtsituation – und somit auch der Farbigkeit bei den aktuellen Arbeiten von Georg Treitz. Oder aber beim Verfolgen feinster Linien und Farbnuancen in den Farbradierungen beziehungsweise der sich ändernden Schatten der „Fireflies“ von Kathrin Edwards.
Go with the flow!

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Text von Julia Ritterskamp Katalog 'flow', 2020

Text von Julia Ritterskamp über Kathrin Edwards anlässlich des Kataloges zur Ausstellung „flow“ im Projektraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf, 2020.

Fokussierung ermöglicht erst das Erreichen von Meisterschaft. Fokussierung finden wir im Werk von Kathrin Edwards gleich auf zwei Ebenen: Zunächst hat sie sich der Graphik so gänzlich verschrieben wie nur ganz wenige ihrer Künstler-Generation. Die Leidenschaft für unterschiedliche graphische Techniken, die Beherrschung von Maschinen, Materialien und Duktus gleichermaßen ist deutlich in Edwards’ künstlerischen Schaffen der letzten Jahre erkennbar.
Die zweite Fokussierung betrifft die Motivwahl der Künstlerin: Sie setzt sich intensiv mit dem Thema Natur auseinander (zu der der Mensch ebenfalls zählt). Die Schönheit der Natur in ihrer ganzen Spanne von der Gewalt riesiger Wellen bis hin zur Fragilität der zartesten Blume dient Kathrin Edwards als Sujet. Und das reicht definitiv aus, um durch Farbradierungen, Lithographien, Aquarelle oder mit 3-D-Stift in den Raum gezeichneten Objekten immer wieder neue Blickwinkel ein und desselben Themas zu erschaffen.
In puncto Abstraktion oder Gegenständlichkeit setzt Kathrin Edwards sich hingegen keinerlei Grenzen: vom detailliert ausgearbeiteten weiblichen Akt bis hin zu einer Serie abstrakter Farb-Lithographien mit dem Thema „Licht“ finden sich die unterschiedlichsten Formausgestaltungen.
So divers die künstlerischen Ergebnisse aus dem Œuvre von Kathrin Edwards auf den ersten Blick erscheinen, sie alle einen die Liebe zu Schönheit, Natur, Harmonie und technischer Meisterschaft. Ob so von der Künstlerin intendiert oder nur vom Betrachter interpretiert: Edwards‘ Arbeiten geben uns immer wieder die Möglichkeit zu einer kontemplativen Pause in einer hektischen Zeit.

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Text von Jasmin Hagedorn und Anna-Lena Rößner, 2015

Text von Jasmin Hagedorn und Anna-Lena Rößner über Kathrin Edwards anlässlich der Ausstellung „Fetisch oder Fetischismus“ im Haus der Universität, Düsseldorf, 2015.

Die 23jährige Kathrin Edwards setzt sich thematisch immer wieder mit dem weiblichen Körper und der Ästhetik der Frau im Verhältnis zu divergierenden Räumen auseinander.
Edwards bewegt sich künstlerisch vornehmlich in der Gattung Grafik und setzt ihre Bildsprache in variierenden Drucktechniken sowie Zeichnung, Aquarell- und Pastellmalerei um. Hierbei nutzt sie spielerisch den Umgang mit unterschiedlichem Ambiente und setzt ihre Protagonistinnen in Bezug zu natürlichen und künstlichen Räumen – ohne konkrete Verortung. Durch den stetig wechselnden Kontext mit der femininen Aktfigur ermöglicht sie dem Betrachter eine breite Spannweite von unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Sujet. Bei ihrer künstlerischen Affinität zum weiblichen Akt bedient sich Kathrin Edwards diverser Typisierungen von Frauen. In ihren druckgrafischen Bildwelten wechseln sich verletzlich wirkende, zusammengekauerte weibliche Wesen ab mit sinnlich-lasziv räkelnden Körpern. Karge, angeschnittene Räume konkurrieren gleichermaßen mit Landschaften, die mit Flora und Fauna bespielt sind – in teilweise phallusartiger Linienführung.
Durch den stetigen Perspektivenwechsel bei gleich bleibendem Genre eröffnet sich dem Betrachter die Möglichkeit, eine tiefere Bindung und Auseinandersetzung mit dem Motiv der Frau einzugehen. Diese verweigert sich jedoch dem direkten Dialog und der gleichberechtigten Beziehung durch Mimik und Gestik. Bedingt durch den einseitigen Versuch der Kontaktaufnahme verbleibt die dargestellte Figur in ihrer eigenen Welt, unangetastet und rein. Dennoch wird der Betrachter von einer sinnlichen Erfahrung erfasst, sodass er selbst von Kathrin Edwards‘ thematischer Neigung zum weiblichen Akt mitgerissen wird.
Die Position der Betrachtung in der Rolle eines Voyeurs lässt es zu, unseren „Fetisch“ am weiblichen Körper heimlich auszuleben.
In der Motivwahl erinnert die Künstlerin an Paul Cézannes‘ und Henri Matisse‘ „Badende“, aber auch an die Formensprache der Akte von Auguste Rodin als Zeichnungen und Lavuren. Ebenso erinnert ihre Technik an die Grafiken von Paula Rego. Somit knüpft Kathrin Edwards direkt an kunstgeschichtliche Traditionen und Positionen an.

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