Texte

In meinen Arbeiten setze ich mich vorallem mit Natur und Mensch auseinander sowie deren Beziehung zueinander. In meinen Druckgrafiken und Malereien steht dabei die Schönheit der Natur und die Einheit von Mensch und Natur im Vordergrund. In meiner neueren Werkreihe an Objekten, Skulptur und Installationen geht es zwar auch um die Schönheit der Natur, aber genauso um deren Wahrnehmung durch die Menschen und ihre Fragilität.

Die Beziehung zwischen Mensch und Natur, die Figur im Kontext zu divergierenden Räumen und ihre Beziehung zum Betrachter fasziniert mich. Dies untersuche ich in meinen Arbeiten und versuche eine breite Spannweite unterschiedlicher Blickwinkel auf das Sujet zu ermöglichen. Egal ob reine Landschaft oder mit Figur, der Betrachter sieht in eine eigene Welt, er erhält Einblicke in intime Momente. Jedoch ist er lediglich ein heimlicher Beobachter, ohne Möglichkeit einzugreifen.

Text von Brigitte Splettstößer zu Ausstellung 2021

Text von Brigitte Splettstößer anlässlich der Ausstellung „Mensch und Umgebung: Kathrin Edwards & Lukas Weiß“ in der Galerie Splettstößer, Kaarst, 2021.

(Bildangaben beziehen sich auf die Webseite von Galerie Splettstößer: www.galerie-splettstoesser.de )

Im Zentrum dieser Ausstellung stehen die grafischen Arbeiten der Künstlerin Kathrin Edwards und des Künstlers Lukas Weiß, Tiefdruckarbeiten von Kathrin Edwards und Hochdruckarbeiten von Lukas Weiß. Dabei setzen sich beide mit der figürlichen bzw. gegenständlichen Darstellungsweise auseinander. Neben den grafischen Arbeiten zeigt Katrin Edwards Prägedrucke und Objekte und Lukas Weiß Zeichnungen und Aquarelle.
Es mag erstaunen, dass in der heutigen Zeit mit ihren geradezu unendlichen Möglichkeiten digitaler Bilderzeugung und Vervielfältigung, die Druckgrafik wieder vermehrt an Attraktivität gewonnen hat. Junge Künstler und Künstlerinnen experimentieren auf ganz unterschiedliche Weise freudig mit der traditionsreichen Kunst, wobei sie sich der verschiedensten Techniken und Materialien bedienen, diese häufig phantasievoll kombinieren.
Es ist die Kombination aus handwerklicher Herausforderung und großer Vielfalt der Möglichkeiten, die die jungen Künstler fasziniert. Und darüber hinaus sind Kathrin Edwards und Lukas Weiß fasziniert von der Haptik der Papiere, auf die sie drucken.
Die Bearbeitung des druckenden Materials, sei es Metall, Holz oder Karton stellt für den Künstler bzw. die Künstlerin spezielle Herausforderungen dar in Bezug auf wohlüberlegte und vorausschauende Auswahl von Motiv und Komposition, auf hohe zeichnerische Fähigkeit beim Entwurf und auf Geschicklichkeit, Geduld und Disziplin bei der handwerklichen Bearbeitung des druckenden Materials.
Und jeder Abzug, jede Übertragung auf das Papier erfordert Konzentration und Geschick. Das zu bedruckende Blatt trifft nicht einsehbar auf den Druckstock bzw. die Druckplatte, das Wieder-Abnehmen ist ein spannender, ja magischer Moment, jeder Abzug ist ein Original.

Kathrin Edwards ist 1992 in Bietigheim-Bissingen geboren. Von Jugend an hat sie sich für Grafik interessiert, hatte auch für einige Zeit die Gelegenheit, sich mit Radierung zu beschäftigen.
Sie hat von 2011 bis 2019 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Prof Udo Dziersk und Prof. Siegfried Anzinger studiert, wurde 2017 zur Meisterschülerin ernannt und machte 2019 den Abschluss mit dem Akademiebrief.
Die Radierung ist ihr bevorzugtes künstlerisches Ausdrucksmittel, wobei sie gerade in der jüngsten Zeit auch mit anderen Techniken gearbeitet hat, wie oben erwähnt. Als inspirierend für ihre Radierungen nennt sie Edward Munch, Max Klinger und Anders Zorn.
Die zentrale Arbeit von Kathrin Edwards in dieser Ausstellung ist die 6teilige in Schwarz, Weiß und Grautönen gehaltene Radierung mit dem Titel „The Path“, Teil ihrer Abschlussarbeit an der Akademie (Fotogalerie Image 15). Die Arbeit ist ein Triptychon, dessen Teile jeweils aus Diptychen bestehen, wobei die Diptychen auch eigene Arbeiten darstellen.
Von links oben tritt eine einzelne unbekleidete Frau aus dem Dunkel auf eine helle Lichtung. Keine weiteren Menschen oder Tiere sind zu sehen. Die Frau blickt von oben auf die Lichtung und – so scheint es – auf die sich bis zum Horizont erstreckende Landschaft in der Arbeit rechts. Ein merkwürdiges Licht – vielleicht Mondlicht – erhellt die Szene. Unheimlich strecken die Bäume ihre blattlosen knorrigen Äste wie dürre Arme dem Betrachter entgegen. Eine unwirkliche, rätselhafte Atmosphäre schwingt in diesem Bild; manches bleibt offen, insbesondere das Woher und Wohin der Frau. Und welcher der Wege mag dem Bild den Titel „The Path“ gegeben haben? Und hängen diese beiden Wege zusammen?
Mit großer Freude an einer detailreichen Wiedergabe von Blättern und Zweigen von Pflanzen und Bäumen, hat Katrin Edwards in Verni mou Technik eine detailreiche Lineatur auf die Radierplatte gebracht. Bei der Verni mou oder Weichgrundätzung wird die Zeichnung mittels Stift und Papier auf eine weiche Masse, die die zu ätzende Platte bedeckt, übertragen. Die malerischen Flächen hat die Künstlerin mit Aquatinta geschaffen, einem Verfahren, bei dem die Platte mit Kolophonium oder Asphalt bestäubt wird, so dass im nachfolgenden Prozess mehrmaligen Abdeckens und Ätzens malerische Flächen mit fließenden Tonabstufungen entstehen.
Merkmale der Romantik finden sich in dieser Arbeit von Kathrin Edwards, wie sie aus der historischen Epoche der Romantik bekannt sind, insbesondere die Hinwendung zur Natur und das Interesse an dem Geheimnisvollen, wobei das Motiv der Nacht eine wichtige Rolle spielt, Nacht als Möglichkeit, der Alltagswelt zu entfliehen, und in eine Welt der Träume, Fantasien und Sehnsüchte abzutauchen.
Mondlicht betont den mystischen Charakter der Nacht. So sehen wir es auf der Arbeit „Longing“ (Image 16 und Einladungskarte), bei der eine unbekleidete, in Rückenansicht dargestellte Frau aus dem dunklen Wald auf eine Lichtung tritt mit einem vom Vollmond beschienenen See.
Wasser ist ein wichtiges Motiv für Kathrin Edwards – in den hier gezeigten Waves (Images 1 – 3 und 19 – 22) als wildes, schäumendes energiegeladenes Element. Um den entsprechenden Pinselschwung radiertechnisch darstellen zu können, bedient sich die Künstlerin einer Absprengtechnik, trägt eine Zuckerlösung mit dem Pinsel auf, die dann im weiteren Verfahren den aufgetragenen Lack im Wasserbad absprengt und so den Pinselschwung auf die Platte bringt.
Ihre künstlerischen Erkundungen im Bereich der Natur spiegeln sich auch wider in den zarten weißen Prägedrucken (Images 11 – 13) und den floralen Objekten, die Kathrin Edwards mit einem 3D Stift sozusagen in den Raum hinein gezeichnet hat. (Images 4 – 7, 9, 10 und 14). Während es Kathrin Edwards in Ihrem künstlerischen Schaffen wesentlich um die Natur geht und um den Menschen in der Natur, finden wir in den Arbeiten von Lukas Weiß vorwiegend urbane Motive.

Lukas Weiß ist 1986 in Berlin geboren. Er hat zunächst an der FH Bielefeld ein Bachelorstudium im Fachbereich Gestaltung absolviert. Zwei Jahre später hat er ein Diplomstudium an der HGB Leipzig, der Hochschule für Grafik und Buchkunst, aufgenommen, in der Fachklasse von Frau Professor Annette Schröter, das er im Februar 2018 mit dem Diplom abgeschlossen hat. Lukas Weiß lebt und arbeitet in Leipzig.
Lukas Weiß hat sich in seiner künstlerischen Entwicklung früh der Grafik zugewandt, insbesondere dem Holzschnitt. Sein Thema ist die Stadt: urbane Strukturen, architektonische Ensembles, Menschen auch, aber oft eher Spuren menschlicher Existenz. Dabei richtet er seinen Blick auf seine Umgebung; ihm ist wichtig, dass das, was er darstellt, einen unmittelbaren Bezug zu ihm selbst hat. In seiner Arbeit greift er auf einen „Pool“ eigener Zeichnungen oder aufgeschriebener Einfälle zurück. Einige Zeichnungen sind ja auch in dieser Ausstellung zu sehen.
Auf seiner größten hier gezeigten Arbeit mit dem Titel „Unter Palmen“ (Image 29) sehen wir in leuchtender Farbigkeit eine Szene am Südkreuz in Berlin. Eine Palme in weißer Farbe steht im Zentrum des Bildes in einem Bottich, dessen Umriss sich fortsetzt in braunen Ringen des Bodenmosaiks. Wandfliesen und Fenster im Hintergrund sind durch gleichförmige Rechtecke strukturiert und gehen in Wandmosaike über. Lukas Weiß setzt sich in dem Bild auseinander mit einer typischen von Kontrast geprägten Bahnhofssituation, wo sich häufig in einer eleganten bzw. exotischen Umgebung merkwürdige Menschen aufhalten, Bedürftige oft oder Obdachlose auch.
In dieser Arbeit hat sich Lukas Weiß zweier Techniken des Materialdrucks bedient, dem Holzdruck und dem Kartondruck. Die mosaikartigen Flächen hat Lukas Weiß mit Stäbchenparkett gedruckt, in einer von ihm entwickelten Technik: Im Hinblick auf sein Motiv sägt er die Parkettstäbchen zurecht und setzt sie geradezu spielerisch puzzleartig aneinander. Das sperrige und widerspenstige Material der Stäbchen erfordert eine Anverwandlung und Abstraktion des Motivs, was Lukas Weiß als inspirierende Herausforderung schätzt und was zu seiner Faszination vom japanischen Farbholzschnitt korrespondiert mit seiner reduzierten Darstellungsweise und der Betonung von Farben und Flächen.
Im nächsten Schritt werden die Stäbchen einzeln oder höchstens in kleinen Gruppen von zwei oder drei Stäbchen aus dem Puzzle herausgenommen, mit der Walze mit Offsetfarbe eingefärbt und in das Puzzle zurückgelegt. Die – deutlich sichtbare – große Zahl der druckenden Einzelteile verleiht den Arbeiten eine mosaikartige Anmutung, eine lebendige, vielfältige Lineatur und eine äußerst variantenreiche Farbgebung. Die farbige Gestaltung einer Fläche ist nicht mehr nur analog und als Kontinuum realisiert, sondern (sozusagen) digital – als Arrangement von separaten Pixeln.
Im Jahr 2019 hat Lukas Weiß insbesondere für die in dieser Technik entstandenen Arbeiten den Förderpreis des Freundeskreises des Museums Reutlingen bekommen, dessen Schwerpunkt der Holzschnitt darstellt.
Im Kartondruckverfahren erscheinen vor dem „gepixelten“ Hintergrund Menschen, in flächiger Gestaltung mit Aquarellfarben gedruckt, so dass sie mehr oder weniger durchsichtig erscheinen, die Hintergrundstruktur sichtbar lassen. Im Vordergrund zieht eine Person in einem dunklen „Hoody“, die auf ein hell leuchtendes Handy schaut, unmittelbar den Blick auf sich. Die Figuren um die Palme herum erscheinen flüchtig, ja fast unwirklich, wie nur im Vorbeigehen erfasst.
Während seines halbjährigen Werkstattstipendiums in Plettenberg im vergangenen Jahr hat Lukas Weiß zahlreiche Erkundungen seiner neuen Umgebung unternommen und Motive für neue Arbeiten gesammelt. So hat er einige Szenen in einem Schrebergartengelände im Kartondruck festgehalten (Images 26 und 27), einen Mann etwa, der schwarz gekleidet wie ein Artist mit Keulen jongliert oder einen zerbrochenen kopflosen Gartenzwerg, an dessen oberem abgebrochenen Ende eine Schnecke kriecht. Lukas Weiß ist nicht nur ein guter, sondern auch ein humorvoller Betrachter eher unbedeutend erscheinender Szenen des Alltags in seiner Umgebung, denen er in seiner Kunst Dauer und Bedeutung verleiht.
So auch in der zweiten großen Arbeit, einem Diptychon, in dem er zwei Menschengruppen darstellt, die nach Ende des Lockdowns auf einer Wiese an einer Talsperre lagern (Image 24). Gedruckt ist die Arbeit auf einem schwarzen Hintergrund mit weiß eingefärbtem Karton, aus dem jede einzelne der Linien wie bei einem Scherenschnitt herausgeschnitten ist, so dass eine schwarze Lineatur auf der weißen Fläche erscheint.
„Mensch und Umgebung“ lautet der Titel der Ausstellung, und diesem Thema gilt ein wesentliches Interesse der beiden Ausstellenden, der Künstlerin Kathrin Edwards und des Künstlers Lukas Weiß, ganz unterschiedlich empfunden, reflektiert und künstlerisch umgesetzt, aber von beiden mit großer Schaffensfreude, mit großer Kompetenz und großem Engagement insbesondere für die Druckgrafik ausgeführt.

© Brigitte Splettstößer

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7 Fragen an..., Interview mit Tatjana Nicholson, 2021

7 Fragen an…, Interview mit Tatjana Nicholson, 2021.

7 Fragen an…
… ist eine feste Rubrik bei Art Apart. Immer sieben Fragen, immer dieselben: die Antworten so divers wie die Künstler:innen die Euch in unserem Magazin Rede und Antwort stehen.

Liebe Kathrin,

Deine Hauptmedien sind Druckgrafik und Objekte bzw. Skulptur, daneben machst du auch Tuschemalerei auf Papier.

Deine Druckgrafiken erinnern mich durch ihre elegante Formensprache und durch die Auswahl des Sujets, des weiblichen Akts in der Natur, ein wenig an Jugendstilgrafiken.
Attraktive junge Frauen, gerne als Halb- oder Vollakt und oft überschlank, mit stilisierter, geschönter Physis dargestellt, waren ein beliebtes Motiv der zumeist männlichen Jugendstil-Künstler. Die Darstellungen wurden oftmals heftig kritisiert und mitunter gar als pornografisch kategorisiert.
Bei den Jugendstil-Künstlern ist der Akt meist von vorne zu sehen, vis-a-vis zu den Betrachter:innen, während die Betrachter:innen in deinen Arbeiten den Akt meist von hinten beobachten. Deine Akt-Darstellungen wirken auch nicht stilisiert, sondern realistisch und „natürlich“.
Die von dir gewählte Perspektive erzeugt in deinen Arbeiten ein Spannungsfeld aus Distanz und Intimität. Die Badende oder die Nackte im Wald wähnt sich völlig frei und unbeobachtet, doch der Schein trügt….
Die Atmosphäre in deinen Werken ist erotisch aufgeladen, sinnlich, geheimnisvoll, aber mitunter auch berunruhigend, wie beispielsweise in den Arbeiten „Into Darkness“ I und II, die eine einsame Badende bei Nacht zeigen.
Der Jugendstil Europas war nachweislich durch die Kunst der japanischen Holzschnitte inspiriert, und so erinnert mich auch die Ästhetik der Hintergrundlandschaft in deiner Radierung mit dem Titel „cascade II“, die zwei weiblichen Akte vor einem Wasserfall darstellt, an Werke von Hokusai. In deiner Arbeit werden Dynamik und Eleganz des Wasserfalls aufgenommen und reflektiert in den Posen der beiden Akte, die wie Tänzerinnen bei einer Performance wirken.
Die Rezipient:innen werden beim Betrachten dieser Arbeiten quasi zu Voyeur:innen. Sie können zwar nicht ins Geschehen eingreifen, aber sie gestalten durch ihre Beobachterrolle die Atmosphäre der Szenerie mit und ergänzen in ihrer Vorstellung das Narrativ– wie schon Wolfang Kemp feststellte: „der Betrachter ist im Bild“. So werden die Betrachter:innen gewissermaßen Teil des Werks.
In deinen monochromen Prägedruck-Arbeiten thematisierst du florale Naturformen. Sie wirken wie Blüten, Blätter und Samenstände und erscheinen wie vergrößerte Teilansichten aus den Druckgrafiken mit den weiblichen Akten in der Natur, die mit vielfältigen Formen Bewegung ins Bild bringt. Deine Prägedruck-Arbeiten wirken auf mich wie Spuren botanischer Proben, festgehalten für die Ewigkeit.

Dazu meine 1. Frage:
Es gibt den Begriff des „männlichen Blickes“ in der Bildenden Kunst und im Film. Dahinter steht die Idee, dass männliche Künstler beim Erschaffen ihrer Werke dem weiblichen Sujet oder dargestellten Subjekt gegenüber eine voyeuristische Perspektive einnehmen, die ein Machtgefälle zu ihren Gunsten reflektiert und das weibliche Subjekt objektifiziert. Du als Künstler:in widmest dich nun selber dem weiblichen Akt und machst dein Publikum durch die gewählte Bildperspektive zu Beobachter:innen – verweist du damit auf einen allgemeinen „menschlichen“ Blick, mit dem alle Rezipient:innen deine Arbeit wahrnehmen? Auf einen Blick, der nicht nur aus einer sicheren (Macht-)Position beobachtet, sondern der auch Anteilnahme enthalten kann am beobachteten „Subjekt“, das hier ja auch künstlerisch betrachtet zum Objekt geworden ist? Oder verfolgst du auch einen feministischen Ansatz?
Ist es eine Perspektive, die uns Menschen in unserer Rolle als Betrachter:innen bzw. Beobachter:innen alle eint, und über die wir gemeinsam reflektieren sollten?
Geht es auch darum zu zeigen, dass Menschen untrennbar Teil der Natur sind und dass das Arbeiten mit Naturmotiven schon deshalb einfach zeitlos, also immer aktuell ist?
In allen meinen Arbeiten, von den Druckgrafiken bis hin zu den Objekten, beschäftige ich mich mit dem Thema der Beziehung zwischen Mensch und Natur und untersuche unterschiedliche Aspekte dieser Verbindung. Dazu gehört besonders in den Druckgrafiken und Malereien auch die natürliche Darstellung des Körpers: ohne Stilisierung, ohne Kleidung. Besonders Letzteres würde eine menschengemachte Komponente in die Motive bringen und auch eine Zeitlichkeit (Tunica oder moderne Kleidung) die ich nicht haben will. Es würde vom eigentlichen Thema der Arbeiten ablenken.
Die Perspektive der BetrachterInnen lässt sich vielleicht wirklich am Besten mit dem „menschlichen“ Blick beschreiben. Ich will eine selbstbewusste weibliche Figur mit natürlichen Kurven darstellen, die Schönheit des natürlichen Körpers ohne Stilisierung und die daraus resultierende Objektifizierung. Auch möchte ich dadurch das Machtgefälle eher umkehren. Die RezipientInnen, egal ob weiblich oder männlich, in einer rein beobachtenden Rolle, ohne die Möglichkeit einzugreifen. Die Macht liegt bei der Dargestellten, die es nicht kümmert, dass oder ob sie beobachtet wird, oder die sich selbstbewusst präsentiert.

2. Deine Kunst ist…..?
…meine Interpretation von Natur.

Die 3. zweiteilige Frage ist gar keine, sondern eher eine persönliche Vorstellung für dein Publikum bei Art Apart:
Wie würdest du dich in 7 Worten (oder weniger) beschreiben? Was ist dein Motto bzw. dein Mantra?
Ein Motto oder Mantra habe ich nicht. Beschreiben würde ich mich als manchmal ein bisschen verpeilt und in meiner eigenen Welt. Aber auch zielstrebig und organisiert (meistens). Und häufig ein bisschen obsessiv. Wenn man mich anfangen lässt über Druckgrafik oder Papier erzählen zu lassen, sollte man Zeit mitbringen!

Zur 4. Frage:
Spiegeln sich in deinen hier gezeigten Werken auch persönliche Fragen? Wenn ja, inwiefern ist das der Fall?
Was bedeutet deine Kunst für dich?
Ich versuche in meinen Arbeiten Antworten zu finden, oder besser mich Antworten zu Fragen oder Themen die mich selbst beschäftigen zu nähern. Ich erforsche in meinen Werken diese Themen. Das heißt aber nicht nur Themen wie Natur, Mensch oder Darstellung der Frau sondern auch einen Materialfetisch ausleben zu können. Mich z.B. mit unterschiedlichen Papieren zu beschäftigen, die unterschiedlichen Möglichkeiten mit ihnen zu arbeiten und wie es Auswirkungen auf den späteren Eindruck der Arbeit hat.

5. Die große Zäsur des 21. JH ist die aktuelle Pandemie, die existenzielle Fragen erneut in neuem Kontext und neuen Perspektiven wachruft. Deshalb stelle ich auch hierzu eine (mehrteilige) Frage:
Inwiefern beeinträchtigt oder beeinflusst die aktuelle Pandemie-Situation deine Arbeit? Wirst du sie in deiner Kunst verarbeiten? Wenn ja, weißt du schon, auf welche Weise?
Durch das Wegfallen von Ausstellungen und der dazu gehörigen Vorbereitungen wurde plötzlich viel Zeit frei. Wie viele andere KünstlerkollegInnen habe ich diese Zeit genutzt um mit neuen Techniken und Materialien zu experimentieren. Dabei sind zum Beispiel die Prägedrucke entstanden, in der Druckgrafik haben sich die „waves“ enorm weiterentwickelt, da ich mit neuem Papier für die Chine Collé experimentieren konnte und gerade sind die ersten Objekte mit neuen Materialien fertig geworden. Diese neuen Arbeiten jetzt aber nur im Regal stehen zu haben und sie nicht einem breiten Publikum bei einer Eröffnung, mit vielen guten Gesprächen, präsentieren zu können ist schwierig. Der Austausch fehlt.
Von dem her, auch wenn ich nicht das Thema der Pandemie in meinen Werken bearbeite zeigt es sich indirekt. Für die Zukunft nach der Pandemie werde ich auch versuchen mir etwas aus dieser Zeit mitzunehmen: mir Zeit für Experimente nehmen. Häufig genug landen neue Ideen in meinem Notizbuch und werden erst Monate später oder gar nicht mehr aufgegriffen. Aber besonders an Experimenten lernt man am meisten und entwickelt sich am meisten weiter. Das würde ich mir gerne erhalten.

6. Welche Frage bewegt dich gerade?Vieles Verschiedenes, auf eine Sache zu reduzieren ist da schwer. Ich habe momentan mehrere angefangene Arbeiten, teilweise Experimente. Gleichzeitig sieht das Atelier gerade aus als hätte eine Bombe eingeschlagen, da ich unbedingt etwas fertig machen wollte und mich währenddessen um nichts anderes gekümmert habe. Ich habe einige neue Ideen die im oben erwähnten Notizbuch stehen, aber ich sollte vermutlich erstmal die Angefangenen fertig machen. Die möchte ich auch unbedingt fertig sehen, aber die neuen Ideen reizen einfach sehr. Und aufräumen muss ich sowieso vor allem anderen. Von dem her die Frage die mich am meisten beschäftigt ist wohl: Werde ich es wirklich schaffen mir genügend Zeit für Experimente zu nehmen, wenn es wieder anfängt hektischer zu werden, wenn ich gerade schonwieder nicht weiß mit was ich als erstes loslegen soll?

7. Welche Frage(n) hast du an dein Publikum hier auf Art Apart?
Eine Frage habe ich nicht wirklich, eher: Ich freue mich, hoffentlich bald, wieder einen persönlichen, direkten Austausch zu haben.

Idee und Umsetzung Tatjana Nicholson

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Text von Julia Ritterskamp Ausstellung 'flow', 2020

Text von Julia Ritterskamp über Kathrin Edwards und Georg Treitz anlässlich der Ausstellung „flow“ im Projektraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf, 2020.

Unmittelbar und als Erstes erleben wir die Übersetzung des englischen Wortes „flow“ als „fließen, strömen“ hier visuell in den gezeigten Arbeiten von Kathrin Edwards und Georg Treitz. Bei Edwards im Motiv der Welle, bei Treitz in den ineinanderfließenden Farben seiner Hinterglasmalerei.
In zweiter Instanz könnte man jedoch auch mit der Flow-Theorie des Glücksforschers Mihály Csíkszentmihályi weiterkommen. Demgemäß bezeichnet „Flow“ das als beglückend erlebte Gefühl eines Zustandes völliger Versenkung, das restlose Aufgehen in einer Tätigkeit. Flow wird ähnlich erlebt wie eine Trance. Diesen Zustand kennen sicherlich die meisten Künstler, sowie auch Chirurgen, Extremsportler, Bastler usw. Bei Kathrin Edwards und Georg Treitz wird allerdings schon durch die Betrachtung der reinen Arbeitsweisen klar: ohne Flow geht es nicht!
Wie sieht das im Einzelnen aus? Sowohl die Grafik als auch die mit einem 3-D-Stift geschaffenen Objekte von Kathrin Edwards zeigen eine außergewöhnliche Feinheit, Perfektion und Sensibilität. Durch das Ergebnis erlebt man nachvollziehbar die Versenkung in eine immer weiterführende Verfeinerung künstlerischer Technik. Dies braucht Zeit, Geduld und repetitive Wiederholung einzelner Handlungen. Zwischen dem Machen und dem Loslassen des Resultats stellt sich der Flow ein.
Georg Treitz arbeitet hingegen einem Alchimisten gleich: Farben unterschiedlicher chemischer Zusammensetzungen werden hinter Glas ineinanderfließen lassen und aufgetragen. Der Künstler beobachtet die Verdrängung oder Verschmelzung und greift ein – oder lässt geschehen. Die vollständige Konzentration auf die Reaktion der Farben ist zweifelsohne die perfekte Voraussetzung für den Flow.
Die dritte Ebene, auf der sich hier ein Flow einstellt, ist der Betrachter selbst. Sei es bei der Versenkung in die sich fast unmerklich ändernde Lichtsituation – und somit auch der Farbigkeit bei den aktuellen Arbeiten von Georg Treitz. Oder aber beim Verfolgen feinster Linien und Farbnuancen in den Farbradierungen beziehungsweise der sich ändernden Schatten der „Fireflies“ von Kathrin Edwards.
Go with the flow!

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Text von Julia Ritterskamp Katalog 'flow', 2020

Text von Julia Ritterskamp über Kathrin Edwards anlässlich des Kataloges zur Ausstellung „flow“ im Projektraum Julia Ritterskamp, Düsseldorf, 2020.

Fokussierung ermöglicht erst das Erreichen von Meisterschaft. Fokussierung finden wir im Werk von Kathrin Edwards gleich auf zwei Ebenen: Zunächst hat sie sich der Graphik so gänzlich verschrieben wie nur ganz wenige ihrer Künstler-Generation. Die Leidenschaft für unterschiedliche graphische Techniken, die Beherrschung von Maschinen, Materialien und Duktus gleichermaßen ist deutlich in Edwards’ künstlerischen Schaffen der letzten Jahre erkennbar.
Die zweite Fokussierung betrifft die Motivwahl der Künstlerin: Sie setzt sich intensiv mit dem Thema Natur auseinander (zu der der Mensch ebenfalls zählt). Die Schönheit der Natur in ihrer ganzen Spanne von der Gewalt riesiger Wellen bis hin zur Fragilität der zartesten Blume dient Kathrin Edwards als Sujet. Und das reicht definitiv aus, um durch Farbradierungen, Lithographien, Aquarelle oder mit 3-D-Stift in den Raum gezeichneten Objekten immer wieder neue Blickwinkel ein und desselben Themas zu erschaffen.
In puncto Abstraktion oder Gegenständlichkeit setzt Kathrin Edwards sich hingegen keinerlei Grenzen: vom detailliert ausgearbeiteten weiblichen Akt bis hin zu einer Serie abstrakter Farb-Lithographien mit dem Thema „Licht“ finden sich die unterschiedlichsten Formausgestaltungen.
So divers die künstlerischen Ergebnisse aus dem Œuvre von Kathrin Edwards auf den ersten Blick erscheinen, sie alle einen die Liebe zu Schönheit, Natur, Harmonie und technischer Meisterschaft. Ob so von der Künstlerin intendiert oder nur vom Betrachter interpretiert: Edwards‘ Arbeiten geben uns immer wieder die Möglichkeit zu einer kontemplativen Pause in einer hektischen Zeit.

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Text von Jasmin Hagedorn und Anna-Lena Rößner, 2015

Text von Jasmin Hagedorn und Anna-Lena Rößner über Kathrin Edwards anlässlich der Ausstellung „Fetisch oder Fetischismus“ im Haus der Universität, Düsseldorf, 2015.

Die 23jährige Kathrin Edwards setzt sich thematisch immer wieder mit dem weiblichen Körper und der Ästhetik der Frau im Verhältnis zu divergierenden Räumen auseinander.
Edwards bewegt sich künstlerisch vornehmlich in der Gattung Grafik und setzt ihre Bildsprache in variierenden Drucktechniken sowie Zeichnung, Aquarell- und Pastellmalerei um. Hierbei nutzt sie spielerisch den Umgang mit unterschiedlichem Ambiente und setzt ihre Protagonistinnen in Bezug zu natürlichen und künstlichen Räumen – ohne konkrete Verortung. Durch den stetig wechselnden Kontext mit der femininen Aktfigur ermöglicht sie dem Betrachter eine breite Spannweite von unterschiedlichen Blickwinkeln auf das Sujet. Bei ihrer künstlerischen Affinität zum weiblichen Akt bedient sich Kathrin Edwards diverser Typisierungen von Frauen. In ihren druckgrafischen Bildwelten wechseln sich verletzlich wirkende, zusammengekauerte weibliche Wesen ab mit sinnlich-lasziv räkelnden Körpern. Karge, angeschnittene Räume konkurrieren gleichermaßen mit Landschaften, die mit Flora und Fauna bespielt sind – in teilweise phallusartiger Linienführung.
Durch den stetigen Perspektivenwechsel bei gleich bleibendem Genre eröffnet sich dem Betrachter die Möglichkeit, eine tiefere Bindung und Auseinandersetzung mit dem Motiv der Frau einzugehen. Diese verweigert sich jedoch dem direkten Dialog und der gleichberechtigten Beziehung durch Mimik und Gestik. Bedingt durch den einseitigen Versuch der Kontaktaufnahme verbleibt die dargestellte Figur in ihrer eigenen Welt, unangetastet und rein. Dennoch wird der Betrachter von einer sinnlichen Erfahrung erfasst, sodass er selbst von Kathrin Edwards‘ thematischer Neigung zum weiblichen Akt mitgerissen wird.
Die Position der Betrachtung in der Rolle eines Voyeurs lässt es zu, unseren „Fetisch“ am weiblichen Körper heimlich auszuleben.
In der Motivwahl erinnert die Künstlerin an Paul Cézannes‘ und Henri Matisse‘ „Badende“, aber auch an die Formensprache der Akte von Auguste Rodin als Zeichnungen und Lavuren. Ebenso erinnert ihre Technik an die Grafiken von Paula Rego. Somit knüpft Kathrin Edwards direkt an kunstgeschichtliche Traditionen und Positionen an.

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